Richtig Gendern

aus dem Wiki der GRÜNEN JUGEND

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In diesem Text soll es nicht darum gehen, zu erklären, warum geschlechtergerechte Sprache wichtig ist, sondern nur um deren richtige Anwendung. Vor allem die zu häufige Schreibung des „Binnen-I“, besonders da wo sie nicht hingehört, schafft unnötige Probleme und führt womöglich eher zu einer geringeren Anerkennung des Gedankens geschlechtergerechter Sprache. Dass dieses nötig ist, zeigen einige Beispiele in Pressemitteilungen oder sonstigem Geschriebenen der GRÜNEN JUGEND, sowie anderer Organisationen und Personen, die sich geschlechtergerechter Sprache bedienen. Beim Googlen (Mai 2007) des Wortes MitgliederInnen ergeben sich 43.000 (!) Suchergebnisse, eine vermeintlich kleine Zahl, doch bei der geringen Anzahl an gegenderten Publikationen und Internetseiten ist sie schon erschreckend. Weniger, aber immer noch zu viele Ergebnisse werden bei Anfragen nach folgenden Wörtern gezeigt: GästInnen (9.610), VorständInnen (211), AbgeordnetInnen (267), PersonInnen (176); weniger werden es schon bei GewähltInnen (2) und BundestagsabgeordnetInnen (51). Im Folgenden wird versucht zu zeigen, wann nicht gegendert werden soll, anhand einiger Beispiele mit dazugehörigen Erläuterungen.


Inhaltsverzeichnis

Partizip I (von Verben meist mit -nd- gebildet)

Personenbezeichnungen, die sich aus dem Partizip I ableiten, sind nur mit Hilfe des Artikels als weiblich oder männlich zu unterscheiden, ansonsten, also im Plural sind sie geschlechtsneutral. Wenn Frauen nicht explizit genannt werden sollen, bieten solche Formulierungen, gerade aufgrund der Neutralität eine gute Alternative zum Binnen-I.

Singular (feminin) die Teilnehmendedie Leitendedie Studierende
Singular (maskulin) der Teilnehmendeder Leitendeder Studierende
Plural (fem./mask.) die Teilnehmendendie Leitendendie Studierenden


Partizip II (von Verben meist mit ge- gebildet)

Genau wie bei Personen im Partizip I verhält es sich mit Ableitungen aus dem Partizip II, also lediglich der Artikel oder ein vorangestelltes „weibliche“ oder „männlicher“ gibt Aufschluss über das Geschlecht. Das Problem, dass Frauen und Männer hier nicht immer explizit genannt werden, ist insofern gering, als das es eben ein in bezug auf Geschlechter neutraler Ausdruck ist. Also, auch hier keine Binnen-I-Schreibung.

Singular (feminin) die Abgeordnetedie Delegiertedie Gewählte
Singular (maskulin) der Abgeordneteder Delegierteder Gewählte
Plural (fem./mask.) die Abgeordnetendie Delegiertendie Gewählten


Geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen I

Es gibt Personenbezeichnungen, die sich für Frauen und Männer nicht unterscheidet. Häufig der Fall bei aus Adjektiven abgeleiteten Begriffen. Diese werden nicht gegendert, lassen sich im Sin-gular nur durch Artikel unterscheiden, im Plural fällt diese Unterscheidungsmöglichkeit genau wie bei den Partizipien weg.

Singular (feminin) die Krankedie Verantwortlichedie Erwachsene
Singular (maskulin) der Krankeder Verantwortlicheder Erwachsene
Plural (fem./mask.) die Krankendie Verantwortlichendie Erwachsenen

Geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen II

Es gibt Ausdrücke, die für beide Geschlechter gültig sind, und deshalb muss auch hier nicht gegendert werden. Vor allem, wenn die Funktion der Person im Vordergrund steht, werden häufig solche Ausdrücke verwendet. Diese Bezeichnungen stellen damit ebenso wie die Partizipien eine gute Alternative zur Binnen-I-Schreibung dar. Hier wäre eine explizite Formulierung mit „weibliche“ bzw. „männliche“ ebenso möglich.

Singular (feminin) die Personder Gastdas Mitglied
Singular (maskulin) die Personder Gastdas Mitglied
Plural (fem./mask.) die Personendie Gästedie Mitglieder


Geschlechtsneutrale Wortzusammensetzungen

Auch hier gilt wieder: Nicht gendern, weil geschlechtsneutral. Ansonsten gilt das Gleiche wie bei geschlechtsneutralen Personenbezeichnungen.

Singular (feminin) die Lehrkraftdie Amtspersondas Kleinkind
Singular (maskulin) die Lehrkraftdie Amtspersondas Kleinkind
Plural (fem./mask.) die Lehrkräftedie Amtspersonendie Kleinkinder


Bezeichnung von Gremien

Gremien stellen keine Personen dar, die ein biologisches oder soziales Geschlecht haben, daher ist es auch hier nicht notwendig zu gendern. Da die Mitglieder dieser Gremien nicht genauso heißen wie das Gremium. So ist zum Beispiel der Vorstand lediglich ein Gremium jedoch ist keine Person des Vorstandes Vorstand, sondern lediglich Mitglied des Vorstandes. Eine Ausnahme bildet hier der Rat, denn die Mitglieder können auch als Räte oder Rätinnen bezeichnet werden.

Singular (feminin) die Belegschaft---------------die Eltern
Singular (maskulin) -------------------der Vorstanddie Eltern
Plural (fem./mask.) die Belegschaftendie Vorständedie Eltern(paare)


Bezeichnung von Nicht-Personen

Die deutsche Grammatik verwendet für Personenbezeichnungen häufig generische Maskulina, also männliche Formen eines Wortes, diese können jedoch auch in der Gruppe auf Frauen bezogen sein. Einer der Gründe für das Gendern. Da bei Nicht-Personen kein biologisches oder soziales Geschlecht vorliegt, gibt es auch keinen Unterschied zwischen diesem und dem grammatischen Geschlecht. Daher ist hier das Gendern schlicht überflüssig:

Singular (feminin) die Wand-----------------------
Singular (maskulin) -----------der Tisch------------
Plural (fem./mask.) die Wändedie Tischedie Kleidung


Bezeichnung von Tieren

Bei Bezeichnung der Tierarten gibt es im Deutschen keine festen Regeln für das grammatische Geschlecht. Es ist auch nicht wie bei Personen besonders männlich dominiert, sondern ist eher als zufällig zu bezeichnen. Da die Benennung von Tieren nichts mit Unterschieden der Geschlechter in der Gesellschaft zu tun hat und somit auch keine Relevanz auf deren Stellung in der Gesellschaft hat, ist es nicht nötig Tiere zu gendern.

Singular (feminin) die Schildkröteder Bärdas Reh
Singular (maskulin) die Schildkröteder Bärdas Reh
Plural (fem./mask.) die Schildkrötendie Bärendie Rehe


Also: Bitte gendern, aber bitte richtig!

Weitere Infos zu geschlechtergerechter Sprache bieten folgende Internetseiten:

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