FF-Drogen:Bericht 2007

aus dem Wiki der GRÜNEN JUGEND

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Inhaltsverzeichnis

Rechenschaftsbericht für das Fachforum Drogen 2007

Seminar Pharmakologisierung des Alltags

20.04.2007 bis 22.04.2007 in Berlin Teilnehmende: 10-­15, davon weiblich: 3

1. Ziele und Schwerpunkte

Ziel des Seminars war die Auseinandersetzung mit dem Konsum von Drogen, Medikamenten und ähnlichen Substanzen als alltägliche Manipulation des eigenen Körpers und Geistes. Die Palette ließe sich beliebig erweitern. Die Zusammensetzungen, Wirkungsweisen und Gefahren dieser Produkte sollten dargestellt werden um sich mit der schwierigen Frage der Unterscheidung zwischen Nahrungsmittel, Genussmittel und Arzneimittel auseinander zu setzen.

Ein Schwerpunkt lag dabei auf einem Bericht vom Verlauf des in Frankfurt/Main gelaufenen Prozesses bezüglich des Legalitätsstatus von Salvia divinorum (Wahrsagesalbei, mexikanischer Zaubersalbei). Weiterhin stand auch die Pharmakologie im Mittelpunkt, die insbesondere auf Prozesse und Wirkungen psychotroper Substanzen einging. Dabei wurden nicht nur allgemeine Vorgänge behandelt sondern es wurden sehr spezifische biochemische Vorgänge im Körper erklärt.

Außerdem wollten wir uns intensiv mit den Problemen des Dopings auseinander setzen um mögliche Forderungen und Lösungen zu entwickeln.

2. Aktivitäten (Umsetzung)

Der Referent Tibor Harrach berichtete über den Prozesses bezüglich des Legalitätsstatus von Salvia divinorum am Landgericht Frankfurt/M. bei dem er Gutachter war. So konnte er nicht nur über die verschiedenen Abgrenzungskriterien zwischen Lebensmitteln und Arzneimitteln referieren sondern veranschaulichte auch die biochemische Wirkungsweisen des Zaubersalbeis.

Dr. Julia Wuttke, Mitarbeiterin von MdB Harald Terpe, stellte dem einen Bericht über Ritalin, seine Verbreitung, seine Anwendungsgebiete und seine Wirkungsweisen in einer offenen Diskussion gegenüber.

In Kleingruppen wurden daraufhin die Themen: Medikamente und Medikamentenabhängigkeit, Doping im Breitensport und Alltäglicher Drogenkonsum am Beispiel Cannabis oder Alkohol bearbeitet und vorgestellt. Vorträge einzelner Teilnehmenden zu den Themen Doping im Breitensport, Drogen im alltäglichen Gebrauch und Medikamente und Frauen wurden vorgestellt.

Der umfangreiche Pharmakologie Vortrag von Tibor Harrach rundete die Tagesordnung ab.

3. Erfahrungen und Ergebnisse

Alltagsdoping ist ein natürliches Ergebnis unserer Leistungsgesellschaft. Seien es der morgendliche Kaffee, Energy­Drinks, Diätprodukte oder Appetitzügler, Ritalin oder Antidepressiva, Schokolade, Zigaretten in der Pause und abends Bier oder Cannabis.

Die Abgrenzung von Lebensmitteln und Arzneimitteln ist sehr undurchsichtig und Vorurteile spielen oft eine größere Rolle als Erfahrungswerte. Hinzu kommt, dass die Kategorisierung auch von Land zu Land unterschiedlich ist. Das führt zu Verunsicherungen.

Wird eine Substanz als legal eingestuft, wähnen KonsumentInnen sich in Sicherheit . Dennoch sind sie sich der Wirkungsweisen und Gefahren mangels Aufklärung oft nicht bewusst. Risiken können oft nicht eingeschätzt werden, da sie von Mensch zu Mensch und vielen Situationen unterschiedlich sind.

4. Schlussfolgerungen und Perspektiven

Medikamente werden in unserer Gesellschaft mitunter alltäglich, unreflektiert und als Mittel zum Funktionieren und zur Medikation eingenommen und es mangelt den KonsumentInnen an Kritikfähigkeit. Drogenkunde muss als allgemeines Wissen in die Gesellschaft getragen werden, denn anders ist Drogenmündigkeit nicht realisierbar. Dazu fordern wir mehr Aufklärung nicht nur in der Schule, sondern auf allen Ebenen, aber vor allem fordern wir mehr Verantwortung. Mehr Verantwortung der KonsumentInnen selbst und von der Politik, Aufklärung und somit Drogenmündigkeit zu vermitteln.

Beteiligung an der Sommerakademie

TechnoKultur

"Techno [ˈtɛknoʊ] ist eine Stilrichtung der elektronischen Musik. Der Begriff wird auch als Sammelbegriff für verschiedene, miteinander verwandte Stilrichtungen verwendet. Rund um die Musik entwickelte sich auch eine eigene Jugendkultur, die Technoszene." - wikipedia

Der Workshop soll sich mit der Frage beschäftigen, was steht hinter dem "Jubel Trubel Heiterbreit" der Technoszene. Ist dies nur eine Haufen feierender und drogenkonsumierender, unpolitischer HedonistInnen oder wie andere behaupten eine kleine politische Bewegung für Solidarität, Freiheit und Selbstbestimmung? Welche Rolle spielen Drogen für diese Szene und welche Bedeutung hat (selbstorganisierte) Drogeninfoarbeit von Organisiation wie Eve and Rave oder auch der Drugscouts für die Drogenpolitik? Welche Drogenkultur hat sich hier gebildet und was können wir davon lernen?

  • Referent: Falk Springer; Erziehungswissenschaftler; www.drugscouts.de
  • Moderation: Julia Seeliger; Parteirätin bei Bündnis '90 / Die Grünen

Drogenmündigkeit und -kultur

In der Vergangenheit wurde angenommen dass es beim Konsum illegaliserter Drogen nur die Pole Abstinenz und Abhängigkeit gibt. Drogenpolitik und speziell Präventionsarbeit konnte damit nur zum Ziel haben jeden Konsum zu verhindern, da dieser automatisch in die Sackgasse des Missbrauchs und der Abhängigkeit führt. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen aber dass ein "Leben mit Drogen" möglich ist und die Mehrheit der Konsumentinnen keine und kaum Probleme aufgrund ihres Drogenkonsums haben. Wenn also ein kontrollierter Konsum bei illegaliserten Substanzen möglich ist, wie kann dieser gefördert werden? Hier schlägt Gundula Barsch ihr Konzept der "Drogenmündigkeit" vor. Sie beschreibt, "das Gegenteil von Abhängigkeit ist Mündigkeit oder wie auch immer der kompetente, autonom kontrollierte und emanzipierte Umgang mit Drogen bezeichnet werden mag." Dieses Konzept besteht aus den vier Kernbereiche: Drogenkunde, Genussfähigkeit, Kritikfähigkeit und Risikomanagement. Ebenfalls wichtig für die Sozialisation von Drogenmündigkeit ist eine Drogenkultur oder eher viele Drogenkulturen, in denen Drogenkonsumentinnen von einander lernen, Erfahrungen austasuchen und ihr Wissen in Sitten und Bräuchen festgeschrieben.

  • Referentin: Prof. Dr. habil Gundula Barsch; Fachhochschule Merseburg; Fachbereich Soziales, Medien und Kultur; „Drogen und Sucht in der sozialen Arbeit“
  • Moderation: Tibor Harrach; Eve & Rave e.V. Berlin; Bundesnetzwerk Drogenpolitik bei Bündnis '90 / Die Grünen

Das Fachforum

Das Fachforum Drogen wird koordiniert von Sofia Sandmann und Maximilian Plenert sowie - seit dem letzten Buko - Christina Henning.

Weitere Aktivitäten

  • Aktionstag 2008 Global Marijuana March - Beschluss der GRÜNEN JUGEND auf dem 28. Bundeskongress in Halle.
  • Ein offener Brief an den drogenpolitischen Sprecher Harald Terpe und den Rest der Bundestagsfraktion zur derzeit laufenden Alkoholdebatte. Zu verstehen als konstruktive Kritik und Ausdruck einiger junggrüner Bedenken.
  • Ein offener Brief an Winfried Hermann zu seinen Äußerungen in der Jungle World
  • Die Texte auf der Homepage wurden aktualisiert und eng mit Inhalten im wiki verknüpft.
  • Drogenworkshops auf den Sommercamps der GJ RLP und Bayern
  • Seminar "Drogenfachgeschäfte" in Tübingen in Zusammenarbeit mit der GJ BaWü

Pressearbeit der GRÜNEN JUGEND zum Thema Drogenpolitik

  • Drogenpolitischer Aktionismus fördert Missbrauch - Zu den Äußerungen der Unions-Drogenbeauftragten Maria Eichborn und anderer PolitikerInnen in Hinblick auf ein totales Alkoholverbot für Minderjährige erklärt Jan Philipp Albrecht, Sprecher der GRÜNEN JUGEND:
  • Der Drogenführerschein muss endlich her! - Zur Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2007 der Bundesregierung erklärt Jan Philipp Albrecht, Sprecher der GRÜNEN JUGEND:
    • Die Pressemitteilung der GRÜNEN JUGEND wurde in verschiedenen Medien aufgegriffen!
  • Für ein Recht auf Rausch nicht nur mit Wein! - Die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz kritisiert die Herabsetzung der Obergrenze für den Besitz von Cannabisprodukten in Rheinland-Pfalz scharf.
  • NRW: Justizministerin soll Vorschläge in Pfeife rauchen - NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter will die Grenze für den Eigenverbrauch von Marihuana und Haschisch herabsetzen. Zukünftig sollen nicht mehr zehn sondern nur noch sechs Gramm toleriert werden.
  • Gib mir fünf - gegen Gift im Gras - Anlässlich der 11. Berliner Hanfparade am 25.8.2007 erklärt der Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND:
  • Giftgras in Leipzig - GRÜNE JUGEND fordert Konsequenzen! - Zu den Warnmeldungen der Leipziger Stadtverwaltung vor mit Blei verunreinigtem Cannabis und den bislang 19 bekanntgewordenen Fällen schwerer Vergiftung erklärt der GRÜNE JUGEND Bundesvorstand:
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